Wer im deutschsprachigen Raum über wirksames Management nachdenkt, kommt an Fredmund Malik nicht vorbei. Der St. Galler Professor hat über Jahrzehnte ein umfassendes, kybernetisch begründetes System aufgebaut – mit einer fast altmodischen Kernüberzeugung: Es geht um richtiges und gutes Management, um Wirksamkeit und das verlässliche Funktionieren von Organisationen.
Mein Sente-Modell ist das genaue Gegenteil in der Form: kein System, sondern eine Handvoll Prinzipien für den nächsten Zug, gewonnen aus dem Strategiespiel Go. Zwei verschiedene Gattungen – und trotzdem stammen sie erkennbar aus demselben Geist.
Wirksamkeit statt Aktivität
Maliks vielleicht bekannteste Aussage: Der Schlüssel zum Führungserfolg liegt nicht in persönlichen Eigenschaften. Nicht Charisma, nicht Talent – sondern die Frage, ob jemand Resultate erzielt. Genau hier beginnt die Verwandtschaft. Das Sente-Prinzip „Führen mit Einfluss statt über Kontrolle" ist dieselbe Unterscheidung, nur aus dem Spiel gedacht: Ein guter Zug wird nicht daran gemessen, wie viel er tut, sondern welche Wirkung er auf dem ganzen Feld entfaltet. Beschäftigung ist kein Wert an sich.
Handwerk statt Charisma
Für Malik ist Management ein Handwerk – niemandem angeboren, von allen erlernt. Grundsätze, Aufgaben und Werkzeuge sind übbar wie das Rüstzeug jedes anderen Berufs. Das Sente-Modell teilt diese Entzauberung: strategisches Gespür ist kein Geschenk, sondern eine kleine, robuste Regelmenge – und das Spielfeld ist der Ort, an dem man sie trainiert. Für Führungskräfte ist das eine befreiende Nachricht: Können schlägt Charisma, und Können lässt sich entwickeln.
Dazu kommen zwei weitere Berührungspunkte: Navigieren statt Prognostizieren – Maliks Kybernetik und Sentes „Lage lesen" misstrauen beide der großen Vorhersage – und vom Planen zum Handeln, was fast eine Kurzfassung der "Montags-Frage" ist: Was tue ich als Nächstes?
Kein Gegenentwurf, sondern eine Vertiefung
So real die gemeinsame Denkweise ist, so klar sind die Unterschiede: Malik baut ein vollständiges System mit universellem Anspruch, Sente eine schlanke Linse für einen einzigen wiederkehrenden Akt. Und weil Sente aus einem Spiel gegen jemanden stammt, kennt es zwei Züge, die Malik nicht kennt – die Koexistenz und das bewusste Aufgeben einer Position.
Am schönsten lässt sich das Verhältnis so sagen: Malik liefert das Rad – die Grundsätze, Aufgaben und Werkzeuge. Das Sente-Modell setzt an einer einzigen Speiche an, der Aufgabe „Entscheiden", und schärft den Blick für den nächsten klugen Zug im umkämpften Feld. Kein Rivale also, sondern eine Vertiefung an einer zentralen Stelle.
Der nächste Zug entscheidet nicht das Spiel. Aber er verändert die Lage.
Wenn Sie diese Denkweise nicht nur lesen, sondern erleben wollen: In meinen Workshops und Team-Events wird sie auf dem Spielfeld sichtbar – und der Transfer in den eigenen Führungsalltag beginnt sofort.